DURCHHALTEN – ein wichtiges Thema in der Kunsttherapie mit Drogensüchtigen
Sich hohe Ziele stecken, mit Elan anfangen, dann bei der ersten Schwierigkeit aufgeben, sich hängen lassen – dieses Handlungskonzept zeugt von wenig Selbstvertrauen und bestätigt leider auch immer wieder: Ich kann nichts, was ich anpacke wird Chaos, Schrott, ich tauge nichts.
Die Kunsttherapie bietet die Möglichkeit, exemplarisch an einem künstlerischen Ziel das Durchhalten einmal mit allen Höhen und Tiefen zu durchleben, nicht umzukehren beim ersten Problem, sondern in Begleitung der Kunsttherapeutin stehen zu bleiben, wahrzunehmen was einen hindert, trotz der Widerstände weiter zu gehen mit liebevoller und konsequenter Führung und Hilfe.
Zum Beispiel S.: Er fängt mehrere Zeichnungen an, sucht sich anspruchsvolle Themen, pfuscht die Motive irgendwie hin – nächstes Bild.
Dieser Vorlauf ist wichtig, um das Handlungskonzept sichtbar zu machen. Ich frage ihn: „Kennst Du das, dass du tolle Ideen hast, sie halblebig bearbeitest, nicht zufrieden mit dem Ergebnis bist und dann schnell das Nächste anfängst?“ Ja, kennt er gut und er ist auch bereit, etwas Neues auszuprobieren, alle Energie in ein Bild zu geben und solange dranzubleiben, bis es richtig gut ist. Ich verspreche ihm, dass er Erfolg haben wird – er glaubt noch nicht so richtig dran.
Wichtig ist, für welches Thema er sich engagieren möchte. Hier geht es um Fragen: wer bin ich, was macht mich aus, was habe ich zu sagen, wofür kann ich mich begeistern? Ist dieses Thema gefunden, macht es Sinn, den Weg zur Verwirklichung zu suchen.
S. zum Beispiel sind Echtheit und Authentizität wichtig, dementsprechend wählt er erstmal Motive aus der Natur, die aber auch Raffinesse enthalten sollen. Am Ende dann kopiert er die zeichnenden Hände von Escher mit Hingabe und über Wochen – er kann es kaum glauben, dass er eine so gute Zeichnung angefertigt hat und ist mächtig stolz – der Weg dahin war wirklich hart und langwierig, aber er hat durchgehalten!
D. wählt ein ganz anderes Motiv, für das es sich lohnt durchzuhalten: Sein großes Thema „sich schützen“, setzt er um in die fein differenzierte Zeichnung einer Ritterburg: Nur hinter einem ganzen Arsenal von Schutzvorrichtungen kann er sich sicher fühlen.
Hochsensibel, vielfach verletzt – das ist besonders für einen Mann eine schwierige Aufgabe. Um sich selbst treu zu bleiben, braucht es erstmal eine gute Schutzschicht, die er mit dem Bild angefangen hat zu bilden.
Sich nicht hängen lassen im wahrsten Sinne des Wortes, durchhalten, Stunde für Stunde, Tag für Tag, nicht aufgeben ist zur Suchtbewältigung lebensnotwendig.
